Baubiologie

Baubiologie ist eine nachhaltige Baukultur im umfassenden Sinn. Sie hat zum Ziel, das Wohlbefinden der Menschen in ihrem Wohn- und Arbeitsumfeld zu fördern. Unter Einsatz hochwertiger Materialien werden Gebäude energieeffizient, umweltschonend und kostengünstig erstellt und unterhalten. Auf der Areal- und Quartierebene gilt es auch soziale Aspekte zu berücksichtigen.

Bereits vor über 50 Jahren entwickelten Pioniere in Deutschland und der Schweiz Grundlagen der Baubiologie und nahmen die Ausrichtung auf eine nachhaltige Entwicklung im Bauwesen vorweg. Die Klimaschutzkonvention wurde 1992 verfasst und die Agenda 2030 hat 2015 verbindliche Klimaziele festgesetzt. Das 21. Jahrhundert hat uns bezüglich Energieeffizienz einen Schritt weiter gebracht. Aber das genügt noch nicht. 

Baubiologen gehen einen Schritt weiter und betrachten ein Bauwerk auch aus der Perspektive der Nutzenden. Denn in unseren Breitengraden verbringen wir 80%-90% unserer Lebenszeit in geschlossenen Räumen.

Mit baubiologischen Methoden erstellen geschulte Fachleute ein Haus, frei von irritierenden Störungen, Räume, in welchen die Nutzer/innen gesund wohnen, konzentriert arbeiten und entspannt schlafen können. Darüber hinaus kümmern sie sich auch um wertvolle Natur- und Erholungsräume, denn die Ressourcen unseres Planeten müssen schonend genutzt werden, im Einklang mit den natürlichen Kreisläufen. Wichtig ist für sie zudem, die soziale Gerechtigkeit über Grenzen hinweg zu fördern und eine menschen- und umweltgerechte Entwicklung der Wirtschaft zu stärken.

Nachhaltigkeit


Baubiologie heisst ganzheitlich denken. Mit baubiologischen Kenntnissen, dem Einsatz geeigneter Materialien und deren sachgerechten Verarbeitung kann ein Wohnklima geschaffen werden, das gesund ist und die Natur nicht schädigt. Für die Wärmeerzeugung werden möglichst erneuerbare Energien genutzt und die Gebäudehülle wird gedämmt wobei ein diffusionsoffener Konstruktionsaufbau gewählt wird. Dazu eignet sich der Einsatz natürlicher Materialien, die möglichst aus der Region stammen. Dies sind zum Beispiel Holz, Holzfasern, Cellulosefasern, Pflanzenfasern, Lehm, Kalk und Backsteine.

Raumklima

Nachhaltige Dämmstoffe

Lehm im Innenbau


Nachhaltige Energiesysteme

Ein Haus in unseren Breitengraden muss klimatisiert werden. Zum Mindestens muss es aber geheizt sein. Und es braucht elektrische Energie. Bis in die 80er Jahre verwendete man fast ausschließlich nicht erneuerbare, meist fossile Energie. Strom wurde bis jetzt vor allem mit Wasserkraft erzeugt, seit den 70er Jahren zu einem grossen Teil mit Atomkraft, beides nicht wirklich erneuerbare Systeme. In der Baubiologie werden erneuerbare nachhaltige Energiesysteme bevorzugt. Mit nachhaltiger Energie fügt sich ein Haus oder eine Siedlung ein in die Gesamtkreisläufe der Welt, das nützt wiederum den Bewohnern und macht sie unabhängiger.

Nachhaltige Energiesysteme


Licht und Farben

Damit wir uns in unseren Wänden wohl fühlen brauchen wir neben dem gesunden Wohnklima viel Licht. Die Wirkung des Lichts auf wohnen und arbeiten, darf gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Am besten ist das Tageslicht, das durch grosse Fenster herein flutet, oder ausgewogenes Kunstlicht. Die Räume gestalten wir farbig, mit Naturfarben, die harmonisch auf unsere Psyche wirken, uns inspirieren, oder uns helfen zu entspannen.

Künstliche Beleuchtung

Natürliche Farben

Farben im Innenraum


Elektrosmog

In einem Modernen Haus hat es eine elektrische Versorgung, elektrische Systeme für Licht und Geräte, Telefon, WLAN, DECT, Mobilfunk, Leitungen, Umwandler und Steuerungen. Diese elektrischen Systeme helfen uns und sind ein Segen. Sie können aber auch eine grosse Störquelle sein. Sensible Personen und Kinder können unter den hoch- und niederfrequenten Störfeldern leiden. Für Baubiologen gilt es solche Störungen zu erkennen, zu messen und Lösungen zu finden um sie zu beseitigen.

Elektrosmog

Risiken Hochfrequenter Strahlung

Baubiologische Hausuntersuchung


Industrielle Bauprodukte

Die Bauwirtschaft und die zuliefernden Unternehmen sind seit den letzten etwa 30 Jahren bemüht, immer bessere und günstigere Bauprodukte auf den Markt zu bringen. Das sind vor allem Kunststoffelemente, Kunststoff vergütete Produkte, Wärmedämmungen und Verbundsysteme. Diese Produkte genügen nicht immer baubiologischen Ansprüchen. Oft dienen sie nicht den Menschen als Nutzer sondern sind einseitig auf den Profit ausgelegt. 

Kunstsofffarben, Flammschutzmittel, PVC, Styropore, Leime, Kitte, sie alle geben mehr oder weniger Schadstoffe an die Luft und die Bewohner im Haus ab. Die Entsorgung dieser Produkte ist aufwändig und teuer. Solche Produkte sollten vermieden werden. Oder mindestens sollten sie nur sparsam und gezielt eingesetzt werden. Es gibt eine ganze Reihe von chemischen Schadstoffen und Produkten, welche immer noch solche Substanzen enthalten. Formaldehyd wird, als starker Schadstoff nicht mehr oft verwendet. Flüchtige organische Chemikalien, Lösungsmittel wurden stark eingedämmt, dank der Bedenken, die immer wieder geäussert wurden.

Aber die nächste Generation an Gefahrenstoffen ist bereits da. Nanotechnologie wird immer mehr in hochwertigen Produkten angewendet, bevor ihre Auswirkung klar ist. Baubiologen sind bemüht diese Substanzen und Produkte zu erkennen, zu messen, in der Planung zu vermeiden oder zu reduzieren.

Bauchemie

Holzschutz ohne Gift

Risiken Vollwärmeschutz

Nanoprodukte am Bau


Schimmelpilz in Gebäuden

Es sind aber nicht nur chemische Substanzen, welche den Bewohnern zu schaffen machen. Sehr verbreitet sind heute, in den gut gedämmten, dichten Wohnungen Schimmelpilze. Sie treten auf, sobald es etwas feucht wird. Über Wärmebrücken und schlechte Konstruktionen tritt Kondensat auf oder es wird mangelhaft gelüftet und schon gibt es feuchte, schmutzig schwarze Stellen, das ist Schimmel. Kunststoffe, organische Verbindungen aus Dämmmaterialien, Putzen und Farben sind sehr gute Nährböden für Schimmel. Die Chemie die genutzt wird um das Übel zu beseitigen, macht es nicht viel besser. Die Pilze sind schnell wieder da, wenn die Ursache nicht behoben ist.

Schimmelpilze in Gebäuden


Baubiologische Baumaterialien

Heute gibt es viele baubiologische Produkte auf dem Markt. Sie werden von innovativen Unternehmen aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt oder vertrieben. Es gibt Dämmstoffe aus Holzfasern, aus Flachs, Wolle, Hanf und Gras. Es gibt Bodenbeläge, Werkstoffplatten, Putze, Naturfarben und vieles mehr. Wenn wir uns Gedanken machen über das Wesen der Materialien mit denen wir uns umgeben, woher sie kommen, wie sie hergestellt werden, was sie für uns bedeuten, dann haben wir hier sehr gute Alternativen. Diese Materialien sind etwas teurer aber nachhaltig gesehen sind sie viel besser, sie schonen die Ressourcen und wachsen nach.

Nachhaltige Dämmstoffe


Baubiologie feinstofflich

Baubiologie geht noch weiter als die oben aufgezeigten Erkenntnisse auf greifbarer, wissenschaftlicher Basis. Es gibt einen feinstofflichen Bereich. Ein Haus steht in einem Kontext zu den anderen Häusern, mit anderen Bewohnern, zur Siedlung, zum sozialen Gefüge, zur Gesellschaft, zur Geschichte, zur Landschaft, zur Erde, zum Himmel, zu den Himmelskörpern. Das ergibt vielfältigen positive und negative Einflüssen auf die Nutzer der Gebäude. 

Die emotionalen, psychischen und psychosozialen Einflüsse der Räume, Gebäude und der Umgebung auf die Bewohner, sind als sehr wichtig einzuschätzen. Baubiologen überprüfen diese Situationen aus psychologischer oder psychosozialer Sicht, sowie mit feinstofflichen Methoden der Geomantie oder Geobiologie. Viele Baubiologen haben die Möglichkeit Einflüsse, Störfelder und Störzonen, aber auch gute Bereiche im Haus, um das Haus und dessen Umgebung zu ermitteln und sie zu neutralisieren.

Diese feinstofflichen Sichtweisen basieren weniger auf Naturwissenschaft als vielmehr auf Erfahrung, wie das östliche Feng Shui oder das indische Vastu. Die klassische Architektenausbildung hat die Bedeutung psychischer Auswirkungen noch zu wenig erkannt - daher sollten sich die Baubiologen und Baubiologinnen hier deutlich einbringen.

Hausuntersuchung