2000-Watt-Areale & Harziges bei Holz und beton

Massimo Guglielmetti, Renato Bomio befragt von Rolf Baumann-Hauser: Bewohner müssen ihren Beitrag zur 2000-Watt-Gesellschaft leisten.

 

An der Veranstaltung 2000-Watt Areale erläuterte SBB-Anlageleiter Massimo Guglielmetti, warum die SBB bei diesen Arealen der Nachhaltigkeit federführend sind (weil sie gute Brachen in Stadtzentren in der Nähe des Bahnhofs haben). So wird ihr Baufeld H in der Europaalle beim Zürich-Hauptbahnhof dieses Jahr als erstes Areal dieser Klasse bezogen. Wie man die hochgesteckten Ziele für ein Zertifikat der Gesellschaft erreichen kann, legte Gugliemetti am Beispiel des geplanten Areal Village Luzern Rösslimatt in der Nachbarschaft des Kultur- und Kongresszentrums dar. Demzufolge ist guter Nutzungsmix von Arbeiten und Wohnen wichtig, was (theoretisch) lange Arbeitswege zu vermeiden hilft. Bestens schneiden die SBB mit ihren Areale wegen ihrer Angrenzung an Bahnhöfen bei der Anbindung an den ÖV ab.

 

In der Stadt Bern ist es die öffentliche Hand, die mit der Neuüberbauung Stöckackersüd in Ausserholligen das erste zertifizierte 2000-Watt Areal mit drei Gebäudekomplexe von insgesamt 146 Wohnungen für 70 Mio. Franken errichtet. Wie Renato Bomio darlegte, profitiert das Areal punkto Mobilität vom vorzüglichen städtischen ÖV und dem nahegelegenen Bahnhofanschluss. Zudem wird die Einstellhalle bloss 17 Parkplätze, davon 15 für Mieter enthalten, gegenüber 515 Veloabstellplätzen, davon die Hälfte überdeckt. 2 Autos von Mobility at Home stehen den Bewohnern zur Verfügung. Die Wärme wird zu 56 % aus Erdsonden und Wärmepumpen, zu 16 % aus Solarthermie und noch zu 16 % aus Biogas gewonnen. Interessant: Der letzte noch im Bau befindliche Gebäudekomplex in Minergie P Eco wird keine Komfortlüftung enthalten. Die Absicht, so Bomio ist, wissenschaftlich zu untersuchen, ob oder in wieweit man die Normen auch ohne diese Auflage erfüllen kann. Bomio: „Ich bin kein Freund dieser Lüftung.“

 

In der Diskussion mit Rudolf Baumann-Hauser, dem Regionalleiter der 2000-Watt-Areale in der Deutschschweiz, wurde auch klar, dass die Bewohner der Areale langfristig mit ihrem Verhalten massgeblich dazu beitragen, ob hier die 2000-Watt-Gesellschaft zu verwirklichen ist. Bei den Referenten klang vorsichtiger Optimismus durch. 

 

 

ETH-Professor Josef Schwarz spricht gegenüber Moderatorin Judit Solt Klartext zur noch fehlenden Synergien zwischen Holz und Beton.

 

Am Eventreport Bauen für die Zukunft – Beton und Holz (vgl PDF, rechts) führten Hanspeter Oester und Primin Jung an je einem Beispiel vor, wie man konstruktiv die Synergien von Beton und Holz nutzt. Den guten Beispielen folgte eine langfädige Diskussion, in der Bauingenieur ETH-Professor Josef Schwarz proklamierte: „Wir wollen wegkommen von diesen Kategorien Bauen im Beton oder Bauen im Stahl oder im Holz“ Für Schwarz ist klar, dass der Durchbruch von hybriden Bauweisen nur zu schaffen ist, wenn Betonfachleute ihre Betonköpfe durchbrechen und mehr auf konstruktiven Möglichkeiten mit Holz eingehen. Schwarz warnte vor der Arbeitsweise der Bauingenieure  „im stillen Kämmerlein“. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit bestehe nicht in der Summe der einzelnen Disziplinen, sondern in der Bereitschaft für Kompromiss: „Es schmerz mich bei der Disziplin der Bauingenieure, dass hierin das Verständnis und Offenheit zu wenig ausgeprägt ist.“

 

Bilder und Texte von Christian Bernhart