Materialkreislauf in fünf Phasen

Ressourcen

Eine Ressource ist gemäss Wikipedia-Definition ein Mittel, um eine Handlung zu tätigen oder einen Vorgang ablaufen zu lassen.

Eine Ressource kann ein materielles oder ein immaterielles Gut sein. Es können darunter Rohstoffe, Energie, Menschen, Geld, Betriebsmittel oder Arbeitszeit verstanden werden. Es gibt Ressourcen in der Wirtschaft, in der Psychologie, der Soziologie und in der Technik.

Zum Bauen verwenden wir vielfältige Materialien. Wenn wir Beton herstellen, brauchen wir Zement. Dessen Ressource ist Kalk. Zum herstellen von Beton brauchen wir Kalk aus einem Steinbruch. Für Backsteine und Ziegel ist die Ressource Ton, Erde, Lehm. Für eine Stahlkonstruktion brauchen wir Stahl. Eisen oder Stahl wird aus Eisenerz, heute meist im Tagbau gewonnen. Das ist die Ressource des Eisens.

Wir bauen mit Beton, mit Steinen, mit Lehm, mit Stahl, mit Holz,  Aluminium, Kupfer und Glas. Die Ressourcen dieser Rohstoffe sind in sehr grossen Mengen überall da. Aber sie sind nicht unerschöpflich vorhanden.

Mineralische Öle, Erdöl, das als Energieträger und für die Herstellung von Kunststoffen gefördert wird, ist als Ressource nicht unerschöpflich vorhanden. Es ist absehbar, wann dieser Vorrat zu Ende geht. Das gleiche gilt für Erdgas, Kohle und Wasserkraft. Es können nicht unbeschränkt Kraftwerke auf dem Rhein gebaut werden.

Wenn wir ein Holzhaus bauen, brauchen wir Holz. Das Holz kommt aus einem Wald. Die Holzfäller gingen seit alters her in den Wald und schlugen Bäume die für den Hausbau, zum bauen grosser Schiffe, zum herstellen von Papier, zum kochen und heizen gebraucht wurden. So wurden die Wälder dezimiert und ganze Landstriche verödeten. Bis man begann, von der Obrigkeit befohlen, ebensoviele Bäume zu pflanzen und zu hegen, wie von den Holzfällern geschlagen wurden. Das ermöglichte es auch späteren Generationen den Wald zu nutzen, der Wald blieb erhalten als Ressource für das Holz, für Pflanzen, Wildkräuter, Tiere, Lufterneuerung, Erholung, Elfen und Zwerge. So entstand der Begriff Nachhaltigkeit.


Rohstoffe und Rohmaterialien

Die Zeitung, die wir vor der Nase haben besteht aus Papier. Das Flugzeug von Piccard, das zur Zeit die Erde umrundet, besteht wohl vornehmlich aus Aluminium. Die Flugzeugträger der amerikanischen Marine bestehen vorwiegend aus Stahl. Bettdecken bestehen aus dem Rohstoff Entenfedern und die Bezirkssparkasse ist mit polierten Marmorplatten, einem kostbaren Rohstoff verkleidet.

Ein sehr wichtiger Rohstoff, der sich durch unsere ganze Kultur zieht ist Holz. Holz wird zu Balken geschnitten, zu Kanthölzern, zu Brettern und zu Stangen und Latten. Es wird klafterweise als Brennholz bereitgestellt und als Rohlinge um daraus Madonnen zu schnitzen. Grosse Lastwagen fahren die frischen Stämme in die Sägereien und zu den Holzverarbeitern, wo Spanplatten, Weichfaserplatten, Schnitzel, Peletts, Sperrhölzer, verleimte Balken und Platten hergestellt werden. 

Eine grosse Industrie, die sich entlang der kontinentalen Flüsse aufreiht, sind die chemischen Fabriken, in deren Reaktoren Kunststoffgranulate hergestellt werden, aus denen in spezialisierten Fabriken Kunststoffprodukte gefertigt werden, die aus unserem Alltag nicht wegzudenken sind. Für den Bau werden Dämmplatten aus Syropor und Polyurethanen in vielerlei Qualitäten, Bodenbeläge aus PVC und Acryl und Lösungsmittel als Grundlagen für Putze und Farben produziert. Kunststoffprodukte ziehen sich durch unsere ganze heutige moderne Kultur. Damit verbunden sind rauchende Schlote, verschmutzte Flüsse, vergiftete Luft, sterbende Fische, Kunststoffschrott und in den Ozanen ganze Kontinente aus Kunststoffpartikeln, an welche die Fische ersticken.

In riesigen Fabrikhallen wird Stahl gekocht, zu Barren gegossen und in mächtigen Walzwerken zu Stahlprofilen, Trägern, Blechen und Drähten gewalzt. Auch diese Materialien haben unsere Kultur stark beeinflusst, mit den vielen Produkten und Konstruktionen die daraus entstanden sind. Auch diese Rohstoffe sind verbunden mit Bergbau, gewaltigen Landschaftsumwälzungen, Hochofenschloten, Luftverschmutzung, CO2 Ausstoss, hohem Energieverbrauch und endlosen Transportweg.


Produkte und Konstruktionen

Aus dem Rohstoff Stahl wurden Schwerter geschmiedet, Rüstungen, Kanonen, Panzer, Kriegsschiffe, Autos, Lastwagen und Flugzeuge gebaut. Findige Ingenieure und Architekten bauten die Freiheitsstatue, Stahlbrücken, den Eiffelturm, Wolkenkratzer und Glaspaläste. Gebäude als Stahlkonstruktionen werden heute überall gebaut. Spätestens als Armierung ist Stahl auf der Baustelle unvermeidbar.

Jetzt kommt es darauf an, was die Region in der wir bauen als Ressource zur Verfügung stellt. In der Schweiz mit ihren Wäldern  war der ursprüngliche Rohstoff Holz. Daraus baute man Holzhäuser mit hölzernen Dachstöcken, Fachwerke, Holzböden, Tische, Stühle, Truhen, Schränke, Betten, Schachfiguren, Geigen, Orgeln, Heiligenfiguren, Brücken und Stege. 

Eine Zeitlang galt das bauen mit Holz als unfein. Italienische Maurer bauten vermehrt Häuser aus Stein, Marmor, Backsteinen und Ziegeln. Die Häuser wurden verputzt und gestrichen und prägen heute das Ortsbild. 

Aber in neuerer Zeit, hat der Holzbau eine gute Erneuerung erfahren. Nicht zuletzt weil geforscht wird und neue Regeln, zum Beispiel im Brandschutz verordnet wurden. Durch konstruktiven Holzschutz ist der Einsatz von Gift nicht mehr nötig und man hat erkannt dass CO2 im Holz wunderbar gebunden ist. 

Ein sehr interessantes Baumaterial ist Lehm. Im besten Falle ist die Ressource des Materials die Baugrube. Der Lehmaushub wird geschlämmt, gewaschen, mit dem Füllmaterial gemischt und die Wände werden direkt, ohne ein Zwischenprodukt, in der Schalung gestampft und zum Bauwerk hoch gezogen. So wird das Haus direkt aus dem Boden geformt. Heute werden auch Lehmbausteine verwendet, oder das Haus wird aus Lehm-Fertigbauteilen gebaut, die in einem Werk gestampft wurden, mit dem Tieflader auf die Baustelle kommen und zum Haus gefügt werden.


Nutzung

Schlussendlich werden die Produkte und Konstruktionen von irgendwem genutzt. Rennfahrer nutzen ihre Boliden um über den Highway zu rasen, Seeleute fahren mit ihrem stählernen Schiffsriesen vom Stapel zum Horizont, Bienen nutzen ihr frisches Bienenhaus um ihre Brut aufzuziehen, Teenager nutzen das Smartphone um WhatsUp abzurufen und die Bewohner ziehen in ihr neues Haus ein.

Ob sich die Menschen in ihren neuen Wänden wohl fühlen? Haben sie genug Licht, frische Luft, ein gutes Raumklima? Oder dünsten aus Wände und Böden, aus Farben, Putzen, Bodenbelägen, Kitten und Leimen flüchtige Substanzen aus, die stören, Unwohlsein verursachen und Allergien auslösen? Elektrische Installationen, unsichtbar in der Decke eingelegt, schlecht angelegt Erdungen, Verteilerkästen am falschen Ort und hochfrequente Strahlung können elektromagnetische Felder erzeugen, die wie eine Ausdünstung Elektrosmog verbreiten und empfindsame Bewohner dauernd irritieren.

Es liegt ganz daran wie das Haus geplant und gebaut ist, wie es mit Energie versorgt ist, wie es in die Umgebung, in die Landschaft eingebettet ist, ob sich die Bewohner zu Hause fühlen. Ein gesundes Haus lebt mit den Bewohnern. Am Morgen dringt Sonnenlicht über grosszügige Fenster in die Räume, es wird eine Freude aufzustehen und zu arbeiten, alles ist an seinem rechten Platz, alles ist ergonomisch angeordnet, das nachhaltige Energiesystem versorgt alle Bereiche, die Kinder spielen in ungestörter, inspirierender Umgebung, das gesunde Raumklima verursacht keine Unpässlichkeiten und am Abend können sich alle zu einem tiefen, erholsamen Schlaf hinlegen.

Ein gesundes Haus braucht keine qualmenden Fabrikschlote, keine sterbenden Fische, keine Inseln aus Kunststoffpartikeln in den Weltmeeren, keine gestressten Arbeiter bei entfremdetem Tun, kein plündern der Energieressourcen, kein zerstören von Landschaften, kein Denken mit nur dem Profit vor Augen. Es ist mit der Natur gebaut, es ist nachhaltig gebaut, es ist gesund und solide gebaut, gemäss den Regeln der Baukunst. Schliesslich wird das Haus, wie seine Bewohner alt und hässlich. Das ist ein natürlicher Prozess. Die Jungen fliegen aus in die Welt und die alten Bewohner sind müde und sterben. Jetzt muss das alte Haus saniert, umgebaut oder abgebrochen werden.


Rückbau - Recycling

Jetzt kommen die Spezialisten ins Haus. Zuerst werden die Küchengeräte ausgebaut. Die Badezimmer-Apparate die erst vor fünf Jahren erneuert wurden werden sorgfältig ausgebaut, sie werden in der Bauteilbörse angeboten. Dann werden die Fenster entfernt, die Holzverkleidungen, was gebraucht werden kann wandert in die entsprechenden Mulden. Die Fenster kann man vielleicht noch brauchen. Das Glas kann downgesycelt werden und wird zu Schaumglas oder Granulat. Die Kabel werden entfernt, später werden sie abisoliert und das Kupfer zusammen mit den Spenglerblechen rezykliert. Aluminium und Alteisen werden eingesammelt, die Holzbalken können wieder verwendet werden, ebenso die Ziegel und Latten. Brennbares wandert in die Verbrennung. Zum Schluss werden die Mauersteine, die Betondecke und die Kellerwände mit dem Boden und den Fundamenten abgebrochen. Der Beton wird geschreddert und als Recycling-Material neuem Beton beigemischt oder dient als Schotter. Nur was nicht rezykliert, verbrannt oder getrennt werden kann kommt auf eine Deponie. 

Hoffentlich wurden keine Verbundmaterialien verwendet. Kunststoff-Wärmedämmungen und Holzwerkstoffe mit Kunstharzklebern zu Schichtplatten zusammen gepappt, Kompaktwärmedämmungen mit untrennbaren Schichten, Folien mit dem Untergrund verschweisst. Diese Bauteile kann man nicht trennen. Sie müssen als Sondermüll, lange Zeit deponiert werden. Solche Deponien werden knapp. Sie werden auf Kosten der Allgemeinheit unterhalten. Wenn plötzlich das Grundwasser gefährdet ist, müssen sie aufwendig saniert werden.

Wir dürfen kein hochwertiges Wegwerfmaterial produzieren. Wir müssen davon ausgehen, dass alles wieder verwendet werden kann. Bauteile die nicht in den Erneuerungszyklus passen, müssen vermieden werden. Alle Bauteile müssen wieder verwendet werden können. Das stellt Architekten und Planer vor völlig neue Herausforderungen.

Ein Haus, aus dem alles herausgetrennt wird, ist selber eine Ressource. Zum Schluss ist es nicht mehr da, höchstens noch auf vergilbten Fotos oder in verblassenden Erinnerungen und einfach Erde geworden. 

Baut man aus den rezyklierten Bauteilen ein neues Haus, einen neuen Konstruktions- und Nutzungszyklus, braucht es kaum noch Material aus den empfindlichen, natürlichen Ressourcen, sie werden geschont und stehen uns noch lange zur Verfügung. Der Kreislauf ist geschlossen. Allerdings muss man das im grossen Rahmen sehen. Nicht nur auf das Haus bezogen. So viele Prozesse hängen voneinander ab. Dies gilt nicht nur für das Bauen, sondern für alle Bereiche unseres Alltags, unserer Kultur unseres Denken und unsers ganzen Lebens. Dann funktionieren die Zyklen als Ganzes. Wir können dann unsere Zyklen selber gestalten.

Das ist Nachhaltigkeit.