Baubiologie und Nachhaltigkeit

Seit über 30 Jahren realisieren Baubiologinnen und Baubiologen ihre Gebäude energieeffizient und umweltschonend mit qualitativ hochwertigen Baustoffen. Sie betreiben somit seit geraumer Zeit nichts anderes als eine nachhaltige Baukultur. Das seit 1992 bekannte 3-Dimensionen-Modell für nachhaltige Entwicklung ist von den Baubiologen um einen vierten Handlungsbereich erweitert worden.

Nachhaltigkeit und Baubiologie verfolgen dieselbe Grundidee. Nur umfasst die nachhaltige Entwicklung alle Aktions- und Lebensbereiche, während sich die Baubiologie spezifisch auf das Bauen beschränkt. Zentral für das nachhaltige Handeln und für die Baubiologie ist die Frage: Wie können die Grundbedürfnisse aller Menschen auch in Zukunft befriedigt werden, ohne dass die Ressourcen des begrenzten Ökosystems Erde überstrapaziert werden? 

Das Drei-Dimensionen-Modell wird für die Baubiologie explizit um eine vierte Dimension, nämlich die der menschlichen Bedürfnisse nach einem gesunden Wohnumfeld, erweitert.


Gesundes Wohnumfeld für Nutzerinnen und Nutzer schaffen

Beim üblichen Bauprozess stehen meistens die Materialwahl und eine energieeffiziente Gebäudetechnik im Zentrum. Baubiologen nehmen darüber hinaus vor allem die Perspektive der Nutzenden ein und streben danach, deren Ansprüche an ein gesundes Wohnumfeld zu realisieren. Ihr Ziel ist es, eine umfassend nachhaltige Baukunst für das Wohlbefinden des Menschen im Einklang mit der Natur zu verwirklichen.


Ganzheitliche Perspektive einnehmen

Um die Ziele aller Nachhaltigkeits-Dimensionen (Ökologie, Soziales und Ökonomie) zu erreichen, planen baubiologisch geschulte Fachleute aus einer ganzheitlichen Perspektive. Sie haben jahrzehntelange Erfahrung, wie Gebäude energieeffizient und umweltschonend mit qualitativ hochwertigen Baumaterialien sowie langfristiger Kosteneffizienz realisiert werden können. Zudem ist es ihnen ein Anliegen, möglichst alle Unternehmer bereits zu Beginn in den Planungsprozess einzubinden, um Probleme frühzeitig zu erfassen und kostengünstige Lösungen auszuarbeitet. 


Leitfragen zum nachhaltigen Bauen gemäss baubiologischen Richtlinien

Für eine nachhaltige Entwicklung im Bauwesen sollte nicht nur die Kompetenz der Planenden und der Fachleute auf der Baustelle erhöht werden, sondern auch diejenige der Nutzerinnen und Nutzer. Denn erst dadurch steigt das Bewusstsein für und die Nachfrage nach zukunftsfähigen Bauten. Deshalb wurden auf der Basis der ETH-Publikation «Nachhaltig handeln – illustriert am Beispiel Bauen und Wohnen mit Holz» einfache Leitfragen zum nachhaltigen Bauen gemäss baubiologischen Richtlinien erstellt. Sie beleuchten alle relevanten Bereiche, die für zukunftsfähige Gebäude und Siedlungen berücksichtigt werden sollten. Damit erleichtern sie den Planenden den Überblick zu behalten und Kosten zu reduzieren. Nachfolgend sind die Leitfragen kurz zusammengefasst. 


1. Wohlbefinden des Mensch, Kultur und Ethik

Werden die grundlegenden menschlichen Bedürfnisse und Anforderungen von Körper, Geist und Seele dem Individuum entsprechend berücksichtigt? Werden Gesetze eingehalten? Wird das kulturelle Erbe erhalten? Werden Innovationen gefördert? Werden Werte vertreten, die das Wohl von Mensch und Umwelt fördern?

2. Ressourcen und Umwelt

Wird die Qualität der natürlichen Ressourcen berücksichtigt und langfristig gefördert? Sind die verwendeten Ressourcen erneuerbar und die Materialien trenn- und rezyklierbar? Können sich Pflanzen und Tiere nach ihren arttypischen Bedürfnissen weiterentwickeln und werden ihre Lebensräume erhalten?

3. Gesellschaft
Wird das soziale Umfeld angemessen berücksichtigt?

4. Wirtschaft

Wird die wirtschaftliche Entwicklung gesellschafts- und umweltgerecht gefördert?


Wenn Planer, Unternehmer oder Nutzer von Liegenschaften Entscheidungen treffen wollen, kann es geschehen, dass sie widersprüchliche Antworten auf die Leitfragen erhalten und in eine Dilemmasituation geraten. Dies erfordert dann ein Abwägen und Gewichten der verschiedenen Argumente. Entscheidungen werden immer auf der Grundlage von persönlichen Wertvorstellungen gefällt. Dies ist eine kulturelle Leistung, die ausschliesslich der Mensch entwickelt hat. Sie gehört in die vierte Dimension des baubiologischen Nachhaltigkeitsmodells.


Bewusstsein für gesunde Bauten fördern

Für eine nachhaltige Entwicklung im Bauwesen, wie sie die Baubiologie anstrebt, ist grundsätzlich in allen Berufszweigen ein Bewusstsein für zukunftsfähige Bauten zu schaffen. Darüber hinaus sollten aber auch die Nutzerinnen und Nutzer vermehrt über die Umsetzungsmöglichkeiten Bescheid wissen. Gemeinden und Investoren werden nach der Ratifizierung der Agenda 2030 im Dezember 2015 noch stärker auf eine Reduktion der CO2-Emissionen und damit auf erneuerbare Energien setzen müssen. Baubiologische Bauten reduzieren den fossilen Energieverbrauch, die CO2-Emissionen und eine Zunahme der Abfallberge. Zusätzlich fördern sie aber vor allem gesunde Innraumqualitäten, die zum körperlichen, geistigen und seelischen Wohlbefinden der Menschen beitragen.

 

Der Baubiologe / die Baubiologin...

  • ...fördert das Wohlbefinden, resp. die Gesundheit des Menschen in seinem Wohnumfeld.
  • ...reflektiert die eigenen Werthaltungen/Ethik.
  • ...übernimmt Verantwortung für die Konsequenzen des eigenen Handelns bezüglich Umwelt und Ressourcen.
  • ...legt Wert auf eine menschenwürdige und umweltschonende soziale und wirtschaftliche Entwicklung.