Exkursion Schaffhausen 27. Juni 2015

Die Region Schaffhausen hat nicht nur den grössten Wasserfall Europas als Sehenswürdigkeit zu bieten, sondern auch einzigartige Gebäude, welche dem gesunden und nachhaltigen Bauen auf ihre Art nachkommen. 

Die Exkursion startete mit der Besichtigung der im 2014 erstellten Überbauung „Urbahn“ zum Thema Stadtentwicklung, Städtebau und innere Verdichtung. Die fünf Baukörper liegen direkt hinter dem Bahnhof Schaffhausen und dienen als Brückenschlag zwischen der Altstadt und dem neuen Stadtquartier. „Urbahn“, auch „Bleiche“ genannt, bildet das Herzstück dieses Stadtquartiers, welches in den letzten 15 Jahren entstanden ist.

Christian Wäckerlin, Präsident SCHARF Schaffhauser Architektur Forum, erzählt uns anhand von Plänen über die Stadtentwicklung von Schaffhausen und schlägt so den Bogen zur Entstehung des neuen Quartiers und den raumplanerischen Überlegungen der neu entstandenen Siedlung. Die Durchlässigkeit zwischen der Siedlung und den umliegenden Gebieten wurde leider nicht überall so ausgeführt wie ursprünglich geplant. Der Aufgang vom Bahnhof in die Überbauung ist gelungen. Über eine Rampe wird man direkt auf den Hauptplatz zwischen den Gebäuden geführt. Was hingegen noch fehlt, ist eine willkommene Lebendigkeit, welche einen animieren würde, den Bereich des Erdgeschosses der Siedlung zu erkunden. Die zu einförmige und eintönige Gestaltung der Überbauung fördert die Neugier kaum und kreiert wenig Spannung. Es liegt nun an den Schaffhausern und Schaffhauserinnen das neue Gebiet zu erobern. 

Mit dem Car ging es anschliessend weiter Richtung Büttenhardt, einem kleinen Dorf 20 Minuten nördlich von Schaffhausen gelegen. Der Bauherr Beat Mader empfängt uns auf seinem Gelände, wo sich neben dem Ferienheim Büttenhardt auch ein Bauernhof befindet. Beat Mader ist Inhaber und Geschäftsleiter des Ferienheims für Jugendliche, welche ein „Timeout“ brauchen. Die Jugendlichen werden hier, während einigen Wochen, abseits ihres gewohnten Alltags, betreut. Das dreistöckige Haus bietet neben sechs Zimmern im Parterre auch ein Restaurant, welches am Wochenende für die Öffentlichkeit geöffnet ist. 

Das Ferienheim wurde mit kernfreiem Laubholz als Bohlenständerbau erstellt. Dies ist eine massive Holzkonstruktion, die ohne hinterlüftete Verkleidung auskommt. Das Holz stammt aus dem umliegenden Mischwald und wurde in der unmittelbaren Nähe und auf der Baustelle leimfrei verarbeitet. Alle Balken wurden in Längsrichtung gebohrt, damit der Kern entfernt wurde und die Balken sich dadurch weniger verzogen. Zudem steigert dies die Stabilität und ermöglicht, dass aus Holz, welches normalerweise für Brenn- oder Industrieholz verwendet wird, hochwertiges Bauholz produziert werden konnte. Die Idee dazu stammt von Heiri Bührer aus Bibern, welcher ursprünglich die Idee hatte, aus einheimischem Laubholz Häuser zu bauen und dafür eine spezielle Bohrmaschine entwickelte. Nur die Gipsfaserplatten der Innenwände, die Linoleumböden und die Fenster sind dazugekauft. Ein Gebäude mit wenig Grauer Energie und einem gesunden Raumklima. Ein schöner und spezieller Ort, wo man sich sicher wohlfühlen kann.  

Nach dem Mittagessen in der Beiz Büttenhardt ging es zurück nach Schaffhausen. Am nordwestlichen Stadtrand wurde 2012 die neue Sternwarte fertig gestellt. Der Nachhaltigkeitsanspruch der Bauherrschaft Naturforschende Gesellschaft Schaffhausen NGSH führte dazu, dass das Gebäude mit erneuerbaren Energien und effizient betrieben wird (Minergie Standard). Peter Sandri, Architekt HTL, führte uns durch den Bau und erzählte uns bei einem Vortrag die Geschichte des Planetarium von früher und wie es zur neuen Sternwarte kam. Selber macht Herr Sandri inzwischen auch Führungen in der Sternwarte und ist einer von zahlreichen Helfern, ohne deren unentgeltliches Engagement die Sternwarte gar nicht betrieben werden könnte. 

Das Gebäude wurde als Holzrahmenbau erstellt und weist eine gute CO2 Bilanz aus. Eine besondere Herausforderung für die Architekten war der Beobachtungsraum mit den Teleskopen, welche nachts freien Zugang zum Sternenhimmel haben müssen. Das Dach musste somit speziellen Anforderungen genügen. Zusammen mit einem Metallbauspeziallisten wurde eine Lösung für das ca. 40m2 grosse und per Motorantrieb fahrbare Dach entwickelt und konstruiert. Die Teleskope mussten zudem komplett unabhängig vom Gebäude fundiert werden, um nicht Schwingungen ausgesetzt zu sein. Zum Minergie-Standard trugen u.a. zugleich die Erdsonden-Wärmepumpe und die Fotovoltaikanlage, welche die Sternwarte mit Energie versorgt, bei. 

Das letzte Objekt, auch ein einzigartiger Bau, ist ganz dem Thema Recycling gewidmet. In Neuhausen am Rheinfall besuchten wir die Recycling Villa (ein Minergie-Bau) von Ernesto Suter. Herr Suter, gelernter Maurer und Cheminéebauer,  hat das Haus zum grössten Teil mit Materialien aus der Abfallgrube, Abbruchhäusern, Brockenhäusern oder Restposten gebaut und eingerichtet. Er und seine Tochter führten uns durch dieses spannende Haus. In jede Blickrichtung gab es etwas zu entdecken. Und Ernesto Suter weiss zu vielen Details eine Geschichte zu erzählen. Vor allem will er aber unserer Wegwerfgesellschaft einen Spiegel vorhalten. 

Bis der Bau fertig war, dauerte es vier Jahre. Zuvor musste die Familie Suter aber drei Jahre auf die Baubewilligung warten. Er und Handwerker aus der Gegend setzten die von Herrn Suter selber gezeichneten Pläne um. Als Cheminéebauer hat er sich über die Jahre ein gutes Formgefühl entwickelt. Das Material für das Haus und die Einrichtung wurde über Jahrzehnte gesammelt und in einer Scheuen gelagert. Auch heute noch geht Ernesto Suter auf Streifzüge um Ware zu sammeln und entwickelt laufend neue Ideen. Das nächste Projekt steht aber noch in den Sternen. 

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