Das diesjährige Thema Lehm hat das Interesse sehr vieler Leute geweckt. Der Tag war spannend und eindrucksvoll. In den 4 Objekten gab es viele und mit Sorgfalt ausgeführte Details zu sehen. Die Kaffeepausen ermöglichten zudem Momente zum verweilen, plaudern und Fragen stellen. Fragen zum Aufbau der einzelnen Bauteile und vor allem zur Bearbeitung der Oberflächen. Bei allen Bauten wurde einiges bis sehr viel in Eigenleistung erstellt. Zum Teil sind es einzigartige Realisierungen; erste Versuche auf denen man aufbauen kann. Alle Objekte sind beispielhafte Bauten zum Thema ‚Baubiologie’.
Als erstes empfing uns Ralph Künzler in Oberwinterthur in seinem kürzlich fertig gestellten Umbau seines MFH mit 5 Wohnungen. Mit einer kleinen Ansprache führte er uns in die Thematik Lehm ein und begleitete uns anschließend in einem Rundgang durch die 5 Wohnungen. Ralph Künzler (Lehmbauer, Baubiologe) und sein Team führten verschiedenste Arbeiten im Haus (BJ 1510) selber aus. Jede Wohnung nahm auf die gegebene Situation Rücksicht und integrierte bestehende Bauteile sehr individuell. Zu erwähnen sind neben den verschiedenen Lehm- und Kalkoberflächen, die als Fertigbauteile gelieferten und eingebauten Nasszellen aus Holz wie auch die feinen und originellen Holzarbeiten.
In Effretikon erwartete uns Doris Müller (Architektin, Arba Bioplan) für die nächste Besichtigung. Ein Umbau eines Flarzhauses aus dem Jahr 1830. Auch hier wurde sorgfältig mit der bestehenden Substanz umgegangen und zudem eine gute Lösung für die kontrollierte Lüftung gefunden (Minergie Label). Eine klimaausgleichende Wirkung hat auch die eindrückliche, ca. 12 Meter lange, mit Lehm verputze Wand im Wohnraum. Der Sandsteinboden (großformatige Platten, bruchrau, in Splitt verlegt) verleiht dem Raum eine kühle Stimmung; seine Frische unterstreicht die Lehmwand. Auch in diesem Objekt war der Lehm in verschiedenen Anwendungstechniken an den Wänden zu sehen.
Nach dem Mittagessen genossen wir Kaffee und Kuchen im Garten von Doris Müller und besichtigten ihr, man kann schon sagen, 2-Zi Häuschen. Der von ihr geplante und nach baubiologischen Grundsätzen umgebaute ehemalige Speicher erhielt im EG einen Terrazzoboden aus Kalk. Eine aufwendige Ausführung, wo der Boden mehrmals geschliffen wird. Das Wandtäfer, aus Holzbrettern einer ehemaligen Käserei, setzt zum Kalkboden einen warmen Kontrast. Für zusätzliche Wärme im Winter sorgt der Lehmgrundofen mit einem Satellit im OG.
Zum Abschluss fuhren wir zum Weinkeller und Wohnatelier von Guido Lenz. Das Atelier, ein Holzelementbau mit Lehmbauplatten und Lehmputzen, steht auf dem Weinkeller, welcher zur Hälfte ins Erdreich gebaut ist; der Bau bildet einen Anbau an ein bestehendes Wohnhaus. Christoph Zihlmann, Architekt, erzählte uns über die Entstehung der ca. 50 cm dicken Stampflehmwand des Weinkellers und dessen origineller Eingangstüre aus Weinkorkzapfen, welche als Isolation dienen, aber deren Zwischenspalten noch Licht durchlassen. Die Lehmwand ermöglicht ein ideales Klima für den Biowein, welcher in seiner Herstellung ein kompromissloses Naturprodukt ist.
Auf dem Rückweg von Uesslingen nach Winterthur lächelte uns die Rückseite des Speichers von Doris Müller zum Abschied nochmals zu.
Unsere nächste Exkursion findet am 16. Juni 2012 statt. Reservieren Sie sich dieses Datum.
Stephanie Herzog
Bildungsleiterin
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