Baubiologie in Japan - Studienreise 2019

Eine japanische Delegation von 20 Architekten und Immobilienentwicklern wählte den Verein Baubioswiss als eines der Ziele der diesjährigen Studienreise. Unter der Leitung von Kaori Takigawa-Wassmann traf die Gruppe aus Kyoto und Sapporo in Zürich ein. Der Vormittag wurde dem Thema "Baubiologie und Nachhaltiges Bauen" in der Schweiz gewidmet.

Ein integrales Konzept von Wohnen, Arbeiten und Bildung konnten die Besucher bereits beim Betreten des Kulturparks in Zürich erleben. Katharina Teuscher (Hamasil Stiftung) erläuterte, wie integrale Entwicklung mit einem Umdenken bzw. Ausgleich von der materialistisch geprägten Denkweise hin zu geistigen Werten gelingt. Beeindruckt waren die Besucher von der Ressourcen-effizienz der Gebäude und den Aspekten der sozialen Nachhaltigkeit. Konzepte, die Wohnen, Arbeiten und Leben verbinden, wie hier im Kulturpark, zeugen von Lebensqualität.

Japans extreme Klimabedingungen erfordern besondere Konstruktionen. Insbesondere im südlichen Teil Japans herrschen im Sommer hohe Temperaturen mit entsprechendem Anstieg der relativen Luftfeuchte. Baustoffe wie Holz und Lehm mit feuchteausgleichenden Eigenschaften finden, wie auch in der Schweiz, zunehmende Akzeptanz. Barbara Jehle (Baubioswiss) wies auf die Dringlichkeit hin, Gebäuden diese Potentiale zu geben, um den Technik-Einsatz zu minimieren. Ein weiterer ressourcenschonender Baustoff erlebt derzeit eine Renaissance. Unweit von Zürich, am Greifensee entsteht die erste Strohballenhaus-Siedlung der Schweiz mit 28 Wohnungen. Diese Materialien verursachen keinen Abfall und fügen sich problemlos in den ökologischen Kreislauf ein, so Barbara Jehle.

Rund 5000 Mal bebt die Erde im Jahr, so hat Erdbebensicherheit in Japan einen hohen Stellenwert. Nach dem Kobe-Beben wurden die Normen in Japan ganz auf duktile Bauweise umgestellt, weshalb man die Vorteile von Holz-Konstruktionen schätzten. Simon Hess (timbatec) stellte die lange Tradi-tion des Schweizer Holzbaus vor. Dem Holzbau ist bei sorgfältiger Planung und Ausführung ein zähes und damit duktiles Verhalten zu attestieren. Besonders beindruckt zeigten sich die Gäste vom mehr-stöckigen Holzbau und interessierten sich für den Brandschutz in diesen Gebäuden. Auch der Holzbau verlangt integrale Konzepte. Statik und Konstruktion müssen höhere Sicherheitsanforderungen berücksichtigen und die ständige Weiterentwicklung des Holzbaus integrieren.

Baubiologie macht vor modernster Technik und Digitalisierung nicht Halt. Pascal Scheidegger (konzept S)stellte die ganzheitliche Planungsmethode mit BIM vor. Beispiele eines gebauten Mehr-familienhauses und eines Co-working-spaces nach baubiologischen Grundsätzen erfüllen höchste Ansprüche an Wohn- und Arbeitsplatzqualität.

Einigkeit bestand, dass das globale Klimaproblem eine gesamtheitliche Systemsicht erfordert. Lösungen müssen gefunden werden, die technisch-naturwissenschaftliche Ansätze mit sozi-ökono-mischen Analysen verbinden.

Eine gesamtheitliche Systemsicht erfordert Fachkompetenz aller Beteiligten. Stephanie Herzog (Bildungszentrum) stellte den Bildungsgang zum "Fachexperten für gesundes und nachhaltiges Bauen". vor. Die Ausbildung mit eidgenössisch diplomierten Fachausweis wird in Japan als Fernkurs gewünscht.

Auf Wunsch der Gruppe soll der Austausch mit den Baubiologen der Schweiz vertieft und die Studienreise im kommenden Jahr wiederholt werden.